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Bestimmung der Volumenlebensdauer von unpassivierten multikristallinen Siliziumwafern

Die Pro­duk­ti­on von wa­fer­ba­sier­ten Si­li­zi­um­so­lar­zel­len be­ginnt in der Re­gel mit der Un­ter­su­chung der an­ge­lie­fer­ten Roh­wa­fer. In ak­tu­el­len In­spek­ti­ons­sys­te­men wer­den we­sent­li­che Merk­ma­le wie Form, Kan­ten­aus­brü­che, Di­cke und spe­zi­fi­scher elekt­ri­scher Wi­der­stand ge­mes­sen. Der nächs­te wich­ti­ge Schritt hin zu ei­ner um­fas­sen­den Wa­fe­rein­gangs­kon­trol­le ist eine Best­im­mung der elekt­ro­ni­schen Qua­li­tät der Wa­fer, die eine De­fi­ni­ti­on von Sor­tier­kri­te­ri­en für eine Klas­si­fi­zie­rung von Wa­fern er­laubt.Das Vor­sor­tie­ren von Wa­fern in Kom­bi­na­ti­on mit an­ge­pass­ten Her­stel­lungs­ver­fah­ren führt zu ei­ner schma­le­ren Wir­kungs­grad­ver­tei­lung und ei­ner hö­he­ren elekt­ri­schen Ge­samt­leis­tung. Die Best­im­mung der Vo­lu­men­le­bens­dau­er τb von un­pas­si­vier­ten Roh­wa­fern ohne Ober­flä­chen­pas­si­vie­rung ist hier­bei von gro­ßer Be­deu­tung. All­er­dings sind Mes­sun­gen an un­pas­si­vier­ten Roh­wa­fern nur dann sinn­voll, wenn die dort ge­mes­se­ne ef­fek­ti­ve La­dungs­trä­ger­le­bens­dau­er τeff ein­deu­tig mit der Vo­lu­men­le­bens­dau­er in τb Be­zug steht.

Wir füh­ren qua­sis­ta­ti­sche Pho­to­leit­fä­hig­keits­mes­sun­gen an mul­tikris­talli­nen Si­li­zi­um­wa­fern vor und nach Ab­ät­zen des Sä­ge­scha­dens so wie nach Ober­flä­chen­pas­si­vie­rung mit Si­li­zi­um­ni­trid (SiN) durch. Die Ober­flä­chen­re­kom­bi­na­ti­ons­ge­schwin­dig­keit nach der Pas­si­vie­rung mit SiN liegt un­ter­halb von 5 cm/s1. Für Vo­lu­men­le­bens­dau­ern un­ter­halb von 200 µs ist da­mit si­cher­ge­stellt, dass die ef­fek­ti­ve La­dungs­trä­ger­le­bens­dau­er iden­tisch ist mit der Vo­lu­men­le­bens­dau­er2,3. Alle Mes­sun­gen wer­den bei ei­ner Über­schuss­la­dungs­trä­ger­kon­zen­tra­ti­on Δn von 4 × 1014 cm-3 durch­ge­führt. Ab­bil­dung 25 zeigt ge­mes­se­ne τb (SiN-pas­si­vier­te Wa­fer) und τeff (Roh­wa­fer) Wert­epaar­sät­ze a) vor und b) nach Sä­ge­scha­den­sät­ze als Sym­bo­le. Die Li­ni­en in Ab­bil­dung 25 zei­gen das Er­geb­nis von nu­me­ri­schen Si­mu­la­ti­ons­rech­nun­gen un­ter Ver­wen­dung des Bau­ele­men­te­si­mu­la­ti­ons­pro­gramms PC1D4.

Abb. 25: Volumenlebensdauer als Funktion der effektiven Ladungsträger­lebensdauer von Wafer a) vor und b) nach Abätzen des Sägeschadens. Während sich die Messdaten der Rohwafer nur unter Annahme eines geschädigten Bereichs von Wd = 2,5 µm Dicke und einer Ladungsträgerlebensdauer von 1 ns beschreiben lassen, werden die Messdaten nach Abätzen des Sägeschadens am besten mit einer Ober­flächen­rekom­bina­tions­geschwindigkeit von S = 2 × 104 cm/s beschrieben.

Der Wert des asym­pto­ti­schen La­dungs­trä­ger­li­mits τli­mit hängt kri­tisch von den Re­kom­bi­na­ti­ons­ei­gen­schaf­ten der Ober­flä­che ab und kann da­her ver­wen­det wer­den um die ef­fek­ti­ve Sä­ge­scha­den­stie­fe zu be­stim­men. Die Mess­da­ten der Roh­wa­fer lässt sich nur be­schrei­ben, wenn wir eine 2,5 µm tie­fe Schä­di­gung des Kris­talls mit ei­ner aus der Schä­di­gung re­sul­tie­ren­den Le­bens­dau­er von 1 ns, an­neh­men. Eine nur durch La­dungs­trä­ger­dif­fu­si­on be­schränk­te ma­xi­ma­le Ober­flä­chen­re­kom­bi­na­ti­ons­ge­schwin­dig­keit S von 2 × 105 cm/s ist nicht aus­rei­chend um die Mess­da­ten zu be­schrei­ben. Nach dem nas­sche­mi­schen Ent­fer­nen des Sä­ge­scha­dens über­schätzt die An­nah­me ei­ner dif­fu­si­ons­li­mi­tier­ten Ober­flä­chen­re­kom­bi­na­ti­ons­ge­schwin­dig­keit den tat­säch­li­chen Wert er­heb­lich. Mit ei­nem Wert von nur 2 × 104 cm/s las­sen sich die Mess­er­geb­nis­se in die­sem Fall am bes­ten be­schrei­ben. Ab­bil­dung 25 zeigt au­ßer­dem deut­lich, dass eine Vor­her­sa­ge der Vo­lu­men­le­bens­dau­er un­ter­halb von 20 µs mög­lich ist. Ober­halb die­ses Wer­tes ist die ef­fek­ti­ve La­dungs­trä­ger­le­bens­dau­er durch Re­kom­bi­na­ti­on an der Ober­flä­che li­mi­tiert. Mes­sun­gen der ef­fek­ti­ven La­dungs­trä­ger­le­bens­dau­er an un­pas­si­vier­ten Roh­wa­fern er­lau­ben so­mit kei­ne ab­so­lu­te Vor­her­sa­ge der spä­te­ren Leer­lauf­span­nung bzw. des Zell­wir­kungs­gra­des; ein Aus­sor­tie­ren von Wa­fern die zu po­ten­zi­ell schlech­ten So­lar­zel­len füh­ren ist je­doch mög­lich.

Wie aus Ab­bil­dung 26 her­vor­geht, wird die­se The­se be­stä­tigt durch eine ers­te Stu­die, die die ef­fek­ti­ve La­dungs­trä­ger­le­bens­dau­er von 156 × 156 mm2 gro­ßen un­pas­si­vier­ten Roh­wa­fer mit dem Wir­kungs­grad von sieb­ge­druck­ten In­dust­rie­so­lar­zel­len ver­bin­det die auf Nach­bar­wa­fern ge­fer­tigt wur­den. Bei ei­nem Wir­kungs­grad­ziel von 15,0 ± 0,5 % müss­ten alle Wa­fer mit ei­ner ef­fek­ti­ven La­dungs­trä­ger­le­bens­dau­er von we­ni­ger als 0,5 µs aus­sor­tiert werden.

Abb. 26: Gemessener Solarzellenwirkunsgrad als Funktion der gemessenen effektiven Ladungsträgerlebensdauer vor Sägeschadensätze. Die Korrelation zwischen den beiden Parametern erlaubt es eine untere Grenze von 0.5 µs für die effektive Ladungsträgerlebensdauer zu definieren um Wafer auszusortieren die einen Wirkungsgrad unter 15 % erzielen würden.

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