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Kopfgrafik

Modellierung der Vernetzungsdynamik von Ethylen-Vinylacetat

Die Ein­kap­se­lung von So­lar­zel­len ist ein wich­ti­ger und zei­tin­ten­si­ver Schritt in der Pro­duk­ti­on von Pho­to­volt­aik (PV)-Mo­du­len. Das Ein­kap­se­lungs­ma­te­ri­al ver­bin­det die ver­schie­de­nen Kom­po­nen­ten, wirkt da­bei als elekt­ri­scher Iso­la­tor und gibt dem Mo­dul me­cha­ni­sche Sta­bi­li­tät (Abb. 41). Au­ßer­dem muss das Ma­te­ri­al ther­misch sta­bil und op­tisch sehr trans­pa­rent sein, um die ho­hen An­for­de­run­gen an eine lan­ge Le­bens­dau­er der PV-Mo­du­le  zu er­fül­len.

Ethy­len-Vinyla­ce­tat (EVA) ist das meist­ge­nutz­te Ein­kap­se­lungs­ma­te­ri­al in der PV-In­dust­rie. Es ist ein so­ge­nann­tes Elas­to­mer, also ein Po­ly­mer, das un­ter Wär­me­ein­wir­kung ir­re­ver­si­bel quer­ver­netzt, sie­he Ab­bil­dung 42. Der End­ver­net­zungs­grad nach der Ein­kap­se­lung (La­mi­na­ti­on) des PV-Mo­duls ist höchst re­le­vant für die spä­te­re Funk­ti­o­na­li­tät des EVA. Un­zu­rei­chen­de Ver­net­zung kann zu Dela­mi­na­ti­on und Kor­ro­si­on im PV-Mo­dul füh­ren und die me­cha­ni­sche Stei­fig­keit des EVA be­ein­flus­sen. An­de­rer­seits ist es über­aus wün­schens­wert, den La­mi­na­ti­ons­pro­zess zu ver­kür­zen und da­mit die Pro­duk­ti­ons­kos­ten für PV-Mo­du­le zu re­du­zie­ren. Ein zu­ver­läs­si­ges phä­no­me­no­lo­gi­sches Mo­dell der Ver­net­zungs­dy­na­mik ist ein ent­schei­den­des Werk­zeug für die Op­ti­mie­rung des La­mi­na­ti­ons­pro­zes­ses, da es die Vor­her­sa­ge des End­ver­net­zungs­gra­des für be­lie­bi­ge zeitab­hän­gi­ge Tem­pe­ra­tur­pro­fi­le er­laubt.

Um ein phä­no­me­no­lo­gi­sches Ver­net­zungs­mo­dell zu ent­wi­ckeln, wur­den die zeitab­hän­gi­gen Ver­net­zungs­gra­de des EVA für ver­schie­de­ne Ver­net­zungs­tem­pe­ra­tu­ren ge­mes­sen. Der Ver­net­zungs­grad lässt sich sehr leicht me­cha­nisch be­stim­men, weil die An­zahl der Quer­ver­net­zun­gen die Än­de­rung der me­cha­ni­schen Stei­fig­keit di­rekt be­ein­flusst. Im Ge­gen­satz zu Me­tho­den wie der Gel-Ex­trak­ti­on und Quellex­pe­ri­men­te kön­nen me­cha­ni­sche Mes­sun­gen kon­ti­nu­ier­lich in ei­nem Rhe­o­me­ter bei de­fi­nier­ten Tem­pe­ra­tu­ren durch­ge­führt wer­den. Da­mit wird die vol­le Dy­na­mik der Ver­net­zungs­re­ak­ti­on zu­gäng­lich. Ab­bil­dung 43 zeigt die ge­mes­se­ne Zeit­ab­hän­gig­keit des Ver­net­zungs­gra­des für ver­schie­de­ne iso­ther­me Mes­sun­gen. Die Ver­net­zungs­dy­na­mik weist drei we­sent­li­che Merk­ma­le auf:

• Ab­hän­gig von der Ver­net­zungs­tem­pe­ra­tur be­ginnt die Ver­net­zungs­re­ak­ti­on zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten. Die­se An­fangs­pe­ri­o­de wird In­ku­ba­ti­ons­zeit ge­nannt.

• Die Re­ak­ti­on ver­läuft bei hö­he­ren Tem­pe­ra­tu­ren schnel­ler.

• Die Än­de­rung im Scher­mo­dul sät­tigt bei sig­ni­fi­kant un­ter­schied­li­chen Wer­ten.

Wir be­trach­ten ein phä­no­me­no­lo­gi­sches Mo­dell des Ver­net­zungs­pro­zes­ses, das aus zwei kon­kur­rie­ren­den Re­ak­ti­ons­pfa­den bes­teht, von de­nen je­der ein­zel­ne Pfad durch eine ein­stu­fi­ge Ge­schwin­dig­keits­glei­chung ers­ter Ord­nung be­stimmt wird. Die Tem­pe­ra­tur­ab­hän­gig­keit der Re­ak­ti­ons­ge­schwin­dig­keit folgt da­bei ei­nem Arrhe­ni­us­ge­setz. Die­ses Mo­dell wird an­schlie­ßend an die ge­mes­se­nen Da­ten an­ge­passt, um die die Mo­dell­kon­stan­ten zu be­stim­men. Die In­ku­ba­ti­ons­zeit wird in ei­nem se­pa­ra­ten Schritt mit ei­ner wei­te­ren Arrhe­ni­us­glei­chung be­stimmt.

Ein gu­ter Test für die­ses Mo­dell ist der Ver­gleich mit ei­nem nicht-iso­ther­men Ver­net­zungs­pro­zess. Da­mit ge­hen wir über den Be­reich der zur Mo­dell­an­pas­sung ver­wen­de­ten Da­ten hi­naus und prü­fen die Qua­li­tät der Vor­her­sa­gen aus die­sem Mo­dell. Ab­bil­dung 44 zeigt den ge­mes­se­nen Ver­net­zungs­grad (hell­blau) für zeitab­hän­gi­ge Tem­pe­ra­tu­ren (grün), so­wie den aus dem Mo­dell be­rech­ne­ten zeitab­hän­gi­gen Ver­net­zungs­grad (dun­kel­blau). Bei je­der Tem­pe­ra­tur­stu­fe ist eine sig­ni­fi­kan­te Än­de­rung der Ver­net­zungs­dy­na­mik zu be­obach­ten, zum Bei­spiel beim Tem­pe­ra­tur­sprung von 130° C auf 150° C. Dort bil­det die Än­de­rung der Stei­gung der Ver­net­zungs­grad­kur­ve die Be­schleu­ni­gung der Re­ak­ti­ons­dy­na­mik deut­lich ab. Mit Aus­nah­me ei­ner ge­rin­gen Ab­wei­chung beim letz­ten Tem­pe­ra­tur­schritt stim­men die Mo­dell­vor­her­sa­gen und die Mess­er­geb­nis­se aus dem Rhe­o­me­ter gut über­ein.

Mit die­sem Mo­dell ist es nicht nur mög­lich, den End­ver­net­zungs­grad für ei­nen re­a­lis­ti­schen La­mi­na­ti­ons­pro­zess zu be­rech­nen, bei dem die zeitab­hän­gi­gen Tem­pe­ra­tu­ren be­kannt sind. Man kann auch den La­mi­na­ti­ons­pro­zess für ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en op­ti­mie­ren. Bei­spiels­wei­se lässt sich die kür­zes­te Ver­net­zungs­zeit un­ter Be­rück­sich­ti­gung von Tem­pe­ra­tur­li­mits und ei­nem mi­ni­ma­len End­ver­net­zungs­grad be­stimmen.

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