Beide Kennlinien in Abb. 39 weichen nur wenig voneinander ab. Dieses sehr positive Verhalten wurde durch die numerische Optimierung von internen Stromflüssen erzielt. Hierfür wurde ein dreidimensionales EWT-Model mit der Simulationssoftware SENTAURUS erstellt. Serienwiderstands- und Rekombinationsverluste konnten auf ein Minimum reduziert werden. Als besonders hervorzuhebendes Ergebnis wird ein Füllfaktor (FF) von 80,8 % erreicht, der den bis dato höchsten gemessenen Wert für eine EWT Solarzelle darstellt.
Die Gesamtsättigungsstromdichte der Solarzelle beträgt 277 fA/cm2 und setzt sich hauptsächlich aus den Beiträgen der hochdotierten Oberflächen zusammen, die die nötigen Leitfähigkeiten für den Stromtransport in der Zelle liefern.
Die Kurzschlusstromdichte von 40,4 mA/cm2 unterstreicht die Stärke der EWT-Struktur im Vergleich zu beidseitig kontaktierten Solarzellen. Abbildung 40 zeigt die gemessene interne Quantenausbeute und die Reflexion der Solarzelle, beides als Funktion der Wellenlänge. Die Gesamtreflexionsverluste betragen 2 mA/cm2, die sich im wesentlichen aus Reflexion bei Wellenlängen unter 400 nm und Wellenlängen über 1000 nm zusammensetzt.
Bei der Quantenausbeutemessung wird die Solarzelle mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt. Da Licht als Teilchenstrom aufgefasst werden kann, ist es möglich, die Anzahl der Lichtteilchen mit der Anzahl der photogenerierten Ladungsträger, die den Strom bilden, zu korrelieren. Im Idealfall ergibt sich der Wert eins. Interne Stromverluste werden in Abb. 40 durch Werte kleiner eins erkennbar. Interne Verluste im Bereich von 300 bis 600 nm kommen hauptsächlich durch Auger-Rekombination im hochdotierten Vorderseitenemitter zu Stande und betragen 0,6 mA/cm2. Verluste für Wellenlängen oberhalb von 900 nm resultieren aus parasitärer Absorption von Licht and freien Ladungsträgern.
Zusammen ergeben alle drei Parameter einen gemessenen Wirkungsgrad von 21,6 %.
Die vorgestellte Solarzelle ist die erste dokumentierte EWT-Struktur, die auf phosphordotiertem n-Typ Cz-Si hergestellt wurde. Die technologisch anspruchsvolle Bordiffusion ist erfolgreich in den Prozess implementiert und garantiert in Verbindung mit der Al2O3-Passivierung höchste Leerlaufspannungen und Solarzellenwirkungsgrade. Die numerische Optimierung der EWT-Solarzelle durch dreidimensionale SENTAURUS-EWT-Modell ist ein Schlüsselelement zum Verständnis der internen Stromflüsse. Es ist gelungen, Transportverluste auf ein Minimum zu reduzieren. Der Füllfaktor ist der Höchste, der bislang bei der EWT-Solarzellenstruktur erreicht wurde.
Abb. 40: Experimentelle interne Quanteneffizienz und Reflexion der Solarzelle im Wellenlängenbereich von 300 nm bis 1200 nm. Quanteneffizienzverluste bei kurzen Wellenlängen werden durch Auger-Rekombinationsverluste im Vorderseitenemitter verursacht.